36) Tracey Moffatt

Tracey Moffatt /US /AU

VIGIL, 2017

Video, Sound, 1'52", loop

Auch wenn das Bildmaterial von der Künstlerin verfremdet wurde, erkennt man sofort, was für dramatische Szenen sich hier abspielen: Ein übervoll besetztes Flüchtlingsboot ist in Seenot geraten und droht zu kentern. Es ist eine jener menschlichen Tragödien auf dem Mittelmeer oder vor der australischen Küste, wie wir sie fast täglich in den Nachrichten zu sehen bekommen. Bei Tracy Moffatt werden nun auch bekannte Figuren des Hollywood-Kinos Zeugen der Katastrophe. Das Zusammenführen von diesem denkbar unterschiedlichen Bildmaterial lässt unangenehme Fragen auftauchen: Berührt uns das professionell gespielte Entsetzen von Elizabeth Taylor, Cary Grant und Julie Christie emotional womöglich mehr, als der Anblick jener namenlosen Flüchtlinge, die da vor unseren Augen tatsächlich zu ertrinken drohen?

Seit den 1990er Jahren produziert die australische Künstlerin Tracy Moffatt vorwiegend fotografische Arbeiten, in denen sie das erzählerische Potenzial von Bildern erforscht. Inhaltlich beziehen sich diese oft auf die australische Kultur und Geschichte und das Kino. Auf der Biennale von Venedig, 2017 hat sie als erste indigene Künstlerin den Australischen Pavillon bespielt.

Das Wissen um die Großartigkeit und die Unergründlichkeit des Wassers, um seinen Nutzen und seinen Schrecken, beflügelt unsere Phantasie und hat viele Märchen und Mythen entstehen lassen. Mit ihrer Hilfe versuchen wir, den Schrecken einzudämmen und zu einem friedlichen Umgang zu gelangen: Respekt vor der Naturgewalt zu entwickeln und trotzdem Wege zu finden, sie für den Menschen nutzbar zu machen.

*1960 in Australien/AU, lebt und arbeitet in New York/US und Sydney/AU

Location: OÖ Kulturquartier (36)


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